DER KLINISCHE FALL

Order Prescription Medicines. xenical. Canadian Pharmacy. . ïðîôåññèîíàëüíî çàêàçàòü äîñòàâêó öâåòîâ â êèåâå

Einseitiger eitriger Nasenausfluss bei einem Fohlen

Patient
Warmblutfohlen, Hengst, 6 Monate alt

Vorbericht
Bei dem Fohlen besteht seit drei Wochen eine schmerzhafte, vermehrt warme Schwellung im Kehlgangsbereich. Das Tier kann kein Futter vom Boden aufnehmen und weist eine Kopfschiefhaltung auf. Die Körperinnentemperatur liegt bei 39,0°C, das Allgemeinbefinden ist reduziert. Nach Verabreichung von Penicillin über 10 Tage verbessert sich der Allgemeinzustand und die Körperinnentemperatur befindet sich im Referenzbereich; die Kopfschiefhaltung bleibt jedoch bestehen. Einen Tag vor Klinikeinlieferung verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Fohlens wieder, es zeigt einen steifen, schwankenden Gang, einseitigen Nasenausfluss und eine reduzierte Futteraufnahme.

Klinische Befunde der Eingangsuntersuchung

Das Fohlen weist ein stark reduziertes Allgemeinbefinden auf und ist apathisch. Die Pulsfrequenz liegt bei 60 Schlägen pro Minute, die Atemfrequenz bei 24 Zügen pro Minute, die Körperinnentemperatur beträgt 39,4°C. Der Hautturgor ist geringgradig reduziert. Die Schleimhäute sind leicht gerötet und die kapilläre Wiederfüllungszeit liegt bei zwei bis drei Sekunden. Der Hengst hält den Hals gestreckt, wobei der Kopf nach rechts oben rotiert getragen wird. Es ist nicht möglich, Kopf und Hals nach rechts oder links abzubeugen. Die gesamte Kehlgangs- und Ganaschenregion ist beidseitig angeschwollen. Die Palpation des erkrankten Bereichs ist schmerzhaft und er weist eine vermehrte Wärme auf. In der Umgebung der linken Parotis kann innerhalb der gesamten Schwellung eine derbe Zubildung palpiert werden. Die Lymphknoten sind soweit beurteilbar unauffällig. Das Fohlen zeigt einen mukopurulenten, nicht stinkenden Nasenausfluss aus der linken Nüster.

Labordiagnostische Untersuchung

Die labordiagnostische Untersuchung einer aus der Vena jugularis entnommenen Blutprobe ergibt die nachfolgend aufgelisteten Befunde:
Hämatokrit 0,25 l/l
pH-Wert 7,31
Gesamteiweiß 90,0 g/l
Leukozyten 18200 /µl
Lymphozyten 2500 /µl
Monozyten 700 /µl
Granulozyten 15000 /µl

Wie würden Sie weiter vorgehen?

(Im Zusammenhang mit dem vorgestellten Fall wird im Folgenden das diagnostische und therapeutische Vorgehen besprochen. Die zugrunde liegende Krankheit wird diskutiert.)
Da das Fohlen trotz des schlechten Allgemeinzustandes nicht problemlos zu untersuchen ist, werden statt einer Endoskopie der oberen Atemwege zunächst bildgebende diagnostische Verfahren durchgeführt.

Sonographische Untersuchung

Bei der sonographischen Untersuchung kann links im Bereich zwischen Parotis und Atlas eine 2 x 1,5cm große, abgekapselte Struktur dargestellt werden, die einen inhomogenen, mit stark echogenen Partikeln durchsetzten Inhalt aufweist.

Radiologische Untersuchung

Es werden zwei Röntgenaufnahmen des Kopfes angefertigt (lateraler und dorsoventraler Strahlengang), auf denen eine ca. 80 mm lange und weniger als 1 mm dicke röntgendichte Struktur im linken dorsalen Luftsackbereich zu erkennen ist. Auf der lateralen Aufnahme scheint der Fremdkörper außerhalb des Luftsacks bis in die Region zwischen Condylus occipitalis und Tuberculum ventrale des Atlas zu reichen. Zusammen mit der dorsoventralen Aufnahme kann die Lage des Fremdkörpers präziser beurteilt werden. Man sieht, dass die Spitze des röntgendichten Gebildes in der Nähe des linken Atlasflügels liegt.

Diagnose

Fremdkörpererkrankung mit Abszessbildung im linken Luftsackbereich.

Weiteres Vorgehen

Da der feine, vermutlich metallische Fremdkörper nach den Röntgenaufnahmen wahrscheinlich teilweise im Luftsack liegt, muss als nächster Schritt eine endoskopische Untersuchung erfolgen. Das Fohlen wird vorsorglich für eine Computertomographie vorbereitet, weil nicht auszuschließen ist, dass der Fremdkörper im Luftsack nicht dargestellt bzw. über den natürlichen Zugang (Tuba auditiva) nicht entfernt werden kann. Die computertomographische Untersuchung bietet in dieser anatomisch komplizierten Region die Möglichkeit, eine chirurgische Versorgung optimal zu gestalten.
Für das weitere Vorgehen wird das Fohlen in Narkose gelegt. Als Prämedikation erhält es 1,1 mg/kg KM Xylazin (Xylazin 2%, WDT) und 0,05 mg/kg KM Diazepam (Diazep, ct-Arzneimittel GmbH). Die Narkoseeinleitung erfolgt mit 2,2 mg/kg KM Ketamin (Ketamin 10%, Medi-Star). Die genannten Medikamente werden über eine Braunüle in der Vena jugularis appliziert. Nach orotrachealer Intubation wird die Narkose mit dem Inhalationsanästhetikum Isofluran (Isoflo, Essex) und Sauerstoff unterhalten. Nach Positionierung des Fohlens in rechter Seitenlage wird das flexible Videoendoskop (Außendurchmesser 9 mm, Xion Medical) über den linken ventralen Nasengang vorgeschoben. Der Larynx- und Pharynxbereich ist endoskopisch unauffällig. Nach dem Einführen des Endoskopes in den linken Luftsack zeigt sich in der medialen Abteilung ein ca. 3 cm langer, den Luftsack nach dorsal perforierenden Metalldraht. Die Schleimhaut ist soweit einsehbar stark entzündet und mit gelblichem Sekret belegt.
Nach mehreren Versuchen kann der Metalldraht mit der Biopsiezange des Endoskopes ohne größeren Substanzverlust über die Ohrtrompete entfernt werden. Der geborgene Stahldraht hat eine Gesamtlänge von 80 mm und einen Durchmesser von 0,4 mm. Da der Luftsack stark entzündet ist, wird er mit fünf Litern physiologischer Kochsalzlösung (NaCl, Braun) vorsichtig gespült. Um eine Aspiration von verunreinigtem Spülmaterial zu vermeiden, wird neben einer schrägen Lagerung des Fohlens auf eine optimale Blockung des Tubus geachtet. Abschließend werden 5g Ampicillin (Ampi-dry, Atarost) in den Luftsack instilliert und dem Tier 1,1 mg/kg KM Flunixin-Meglumin (Finadyne, Essex) intravenös verabreicht. Nach Beendigung des Eingriffs wird das Fohlen in die Aufwachbox gebracht, bei Wiedereintritt des Schluckreflexes extubiert und in der Box während der Aufwachphase intensiv überwacht.
Das Fohlen erhält über 10 Tage zweimal täglich 2,5g Ampicillin intramuskulär (Ampi-Dry, Atarost) und einmal täglich 1,1mg/kg KM Flunixin-Meglumin per os (Finadyne, Essex). Im Bereich des Abszesses wird äußerlich eine Zugsalbe (Phlegmodolor, WDT) aufgetragen.

Weiterer Verlauf

Zwei Tage nach dem Eingriff liegen die Körperinnentemperatur und die Leukozytenzahl im Referenzbereich. Das Fohlen trinkt selbstständig und kann vom Boden fressen. Die Beweglichkeit des Kopfes zur Seite ist noch deutlich eingeschränkt. Sieben Tage später werden eine Röntgenkontrolle sowie eine sonographische Untersuchung durchgeführt. Auf der lateralen Aufnahme des Kopfes ist im Bereich des Luftsacks ein kleiner Flüssigkeitsspiegel zu sehen. Der Abszess kann sonographisch nicht mehr dargestellt werden. Das Fohlen wird am nächsten Tag aus der Klinik entlassen. 10 Wochen nach dem Eingriff lassen sich bei einer Nachuntersuchung durch den Haustierarzt keine Veränderungen feststellen. Das Fohlen befindet sich in einem guten Allgemeinzustand und entspricht in Größe und Gewicht gleichaltrigen Artgenossen.

Diskussion

Infektiös bedingte Entzündungen sind die häufigste Ursache für Luftsackerkrankungen beim Pferd. Sie treten eher bei jüngeren Pferden auf und werden oft durch Streptokokken verursacht. Die klinischen Symptome umfassen unter anderem mukopurulenten Nasenausfluss, von außen sichtbare Schwellung der Kehlgangs- und Ganaschenregion, gestreckte Kopf-Hals-Haltung, Dyspnoe, Dysphagie (3). Obwohl Fremdkörpererkrankungen im Kopfbereich beim Pferd aufgrund der Möglichkeit zur selektiven Futteraufnahme relativ selten vorkommen, sollte man im Rahmen der Diagnostik dennoch daran denken. Es gibt Fallbeschreibungen über im Luftsack oder in der Luftsackregion liegende Fremdkörper (1-3). Die lokale Behandlung einer Luftsackentzündung ohne Entfernung des irritierenden Fremdmaterials kann nicht erfolgreich sein. Wenn die Möglichkeit dazu besteht, sollte immer zuerst eine minimal invasive Entfernung eines Fremdkörpers mittels Endoskop angestrebt werden, um die im Luftsackbereich liegenden Nerven und Gefäße zu schonen. Der Zugang zum Luftsack über den Atmungsrachen und die Ohrtrompete (Tuba auditiva) ist auch beim Fohlen mit modernen flexiblen Endoskgut möglich. Im Sinne einer Risikominimierung ist im Gegensatz zum erwachsenen Pferd allerdings meist eine Allgemeinanästhesie erforderlich. Wenn eine transendoskopische Entfernung des Fremdkörpers nicht gelingt, sollte vor einem chirurgischen Eingriff eine computertomographische Untersuchung der erkrankten Region angestrebt werden (4). Zum einen lassen sich dadurch die von der Fremdkörpererkrankung in Mitleidenschaft gezogenen Strukturen ansprechen, zum anderen kann der operative Zugang optimal geplant werden.

Bibliographische Daten:
Stehle C, Tóth J, Hollerrieder J, Große-Lembeck W. Luftsackerkrankung durch einen metallischen Fremdkörper bei einem Fohlen. Ein Fallbericht. Tierärztl Prax 2002; 30 (G) 114; 124-6.

Literatur

1. Bayly W, Robertson J. Epistaxis caused by foreign body penetration of a guttural pouch. J Am Vet Med Assoc 1982; 180: 1232.
2. Freeman DE. Guttural pouch. In: Equine Surgery. Auer J, ed. Phiadelphia: Saunders 1992;480-8.
3. Freeman DE. Other guttural pouch problems. ECVS 1st surgical forum, Proceedings 2001; 178-80.
4. Tietje S, Becker M, Böckenhoff G. Computed tomographic evaluation of head diseases in the horse: 15 cases. Equine Vet J 1996; 28: 98-105.

Dr. Christiane Stehle, Prof. Dr. József Tóth, Dr. Josef Hollerrieder
Bergische Tierklinik GmbH
Flurweg 20
42579 Heiligenhaus

Dr. Wilhelm Große-Lembeck
Praktischer Tierarzt
Urbanusstraße 13z
44892 Bochum ...


zurueck zur Übersicht




Copyright © 2001 by WECOM GmbH.

 
áûñòðî øêàôû êóïå íåäîðîãî â êèåâå
Bergische Tierklinik Heiligenhaus GmbH - Pferde Pferdeklinik Tiere Sitemap